Veranstaltung mit Genozidleugner an der UDE eskaliert

Am Dienstagabend fand an der Uni Duisburg der Vortrag „Terror in Istanbul“ statt, welcher vom Verein Türkischer Studenten veranstaltet wurde. Als Referent der Veranstaltung trat Şahin Ali Söylemezoğlu auf, der in der Vergangenheit immer wieder durch Relativierungen des Völkermords an den Armenier*innen in Erscheinung getreten ist. Der AStA formulierte bereits im Vorfeld Kritik an der Veranstaltung. (Vgl. AStA-PM 22.04.16) Das Rektorat hatte sich dennoch dazu entschieden, den genozidrelativierenden Positionen des Redners ein Podium zu bieten. Einerseits erklärte die UDE in ihrer Pressemitteilung vom 25.04., „dass [sie] sich klar von Positionen distanzier[e], die geschichtliche Tatsachen leugnen“, andererseits bezeichnete sie den Wunsch nach einer Untersagung des Vortrags als „Zensur“, der nicht stattgegeben werden solle.

Obwohl es im Vorfeld erhebliche Sicherheitsbedenken gab, war lediglich ein einziger Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes vor Ort. So überraschte es kaum, dass Graue Wölfe vor Ort waren – insbesondere der Veranstalter selbst grüßte mit dem Wolfsgruß. Des Weiteren war er offensichtlich gut bekannt mit einem anderen Teilnehmer, der in Security-Montur und vor allem mit Quarz-Sandhandschuhen ausgerüstet auftrat. Diese Handschuhe fallen unter das Waffengesetz. Als er Teilnehmende beleidigte und bedrohte, wurde er nicht zur Ordnung gerufen. Allgemein war die Stimmung geprägt von Beleidigungen und Drohungen gegenüber Kritiker*innen – es fielen u.a. Sätze wie ‚Ich ficke Dich‘. Auch, dass Teilnehmende abgefilmt und mit dezidierten Portraitaufnahmen durch Türkischnationale dokumentiert wurden, fand die Zustimmung des Veranstalters. Dem mehrfach direkt vorgetragenen Hinweis auf das Recht am eigenen Bild, wurde lapidar die Aussage „Hier kann jeder fotografieren, wie er will.“ entgegnet. Die Veranstaltung wurde dadurch zu einem höchst unsicheren Raum, in dem geltendes Recht nicht mehr gewährleistet wurde. Auch der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes war als Einzelner nicht in der Lage einzugreifen. „Der Veranstalter hat im Rahmen der kompletten Veranstaltung ein Bedrohungsszenario für die Anwesenden hingenommen und teils bewusst unterstützt.“, kritisiert Marcus Lamprecht, der Vorsitzende des AStA.

Ein offizieller Vertreter des Rektorats war nicht anwesend, und damit auch niemand, der das Hausrecht hätte durchsetzen können. Das Rektorat hat sich, der Brisanz der Veranstaltung bewusst, mit dieser Entscheidung seiner Verantwortung entzogen und weder für die Sicherheit der Vortragsgäste gesorgt, noch dafür, dass die Veranstaltung tatsächlich im Rahmen der akademischen Spielregeln erfolgte. Dazu Lamprecht: „Es kann nicht sein, dass an unserer Universität genozidleugnende Veranstaltungen stattfinden, in deren Rahmen außerdem noch Anwesende massiv bedroht und beleidigt werden.“

Seinen Vortrag konnte Referent Ali Söylemezoğlu komplett halten, von Zensur kann keine Rede sein. Erst die anschließende Diskussion eskalierte, da der Redner nicht auf inhaltliche Kritik an nichtbelegten Behauptungen und offensichtlichen Falschdarstellungen einging. Vielmehr bezeichnete er kritikäußernde Personen als „Kinder“. Auch die Redefreiheit der Kritiker*innen wurde durch den Veranstalter nicht gewährleistet, zumal die zuvor erfolgten Drohungen durch die Grauen Wölfe nicht ohne Wirkung geblieben waren. Als es zu lautstarken Auseinandersetzungen kam, rief der Veranstalter den AStA-Vorsitzenden auf, für Ordnung zu sorgen. Abgesehen davon, dass dies nicht die Aufgabe eines AStA-Mitglieds gewesen wäre, war der Veranstalter nicht bereit, diesem das Mikrofon zur Verfügung zu stellen.

Abschließend betont der AStA: „Wir sind enttäuscht, dass eine genozidleugnende und derart bedrohliche Veranstaltung unter Beteiligung gewaltbereiter Nationalisten an unserer Uni stattfinden konnte. Wir hoffen, dass eine ähnliche Veranstaltung vom Rektorat der Uni Köln noch rechtzeitig abgesagt wird, bevor sich derartige Szenen wiederholen.“

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