... die Uni platzt aus allen Nähten!
[31.10.2011]
Wer sitzen will, muss früh da sein. Diesen Grundsatz sollten sich die Studentinnen und Studenten dieses Jahr an der Universität Duisburg-Essen (UDE) besonders gut merken, denn die UDE platzt aufgrund des rapiden Studentenzuwachses aus allen Nähten (siehe „Gründe, Daten und Fakten“). Auch die Ausweichmöglichkeit auf die Kinosäle des Cinemaxx in Essen kann das Problem nicht komplett beheben. Nicht nur die UDE versucht sich in außergewöhnlichen Alternativen, um dem Platzmangel zu begegnen, auch andere Universitäten – z. B. in Paderborn und Kassel – haben Platzprobleme und weichen z. B. auf große Zelte und Kirchen aus.
Mangelware Sitzplatz
An der UDE sieht die Realität wie folgt aus: In einem Seminarraum, der für 40 Personen konzipiert ist, müssen nun 80 Studierende Platz finden. Wie soll das funktionieren? Stapeln? Oder doch das gute alte Tetris-Spiel hervorkramen und in der Realität ausprobieren? Auf jeden Fall stehen Sitzplätze auf den Stufen, dem Boden oder sogar Stehplätze im neuen Semester an der Tagesordnung. Ein Seminar mit bis zu 100 Personen erhält damit schnell einen Vorlesungscharakter. Kaum vorhandene Beteiligungsmöglichkeiten, zunehmend schlechte Akustik in den Räumen und unbequeme Sitzmöglichkeiten – da lässt sowohl die Motivation, als auch die Konzentration der Studenten zu wünschen übrig. Die Frage nach dem Lernerfolg braucht man gar nicht mehr zu stellen - unter solchen Bedingungen ist dieser innerhalb des Seminars unmöglich.
Gründe, Daten und Fakten
Die ersten doppelten Jahrgänge, in Bayern und in unserem Nachbarbundesland Niedersachsen, in Kombination mit der Wehrpflichtabschaffung, die zum 1. Juli dieses Jahres endgültig beschlossen wurde, entstand dieses Wintersemester ein rapider Studentenzuwachs in Nordrhein-Westfalen (NRW). Für die UDE heißt das in Zahlen ausgedrückt, dass im letzten Jahr, laut Pressesprecherin Beate Kostka, 4.947 Einschreibungen stattgefunden haben, in diesem Jahr sind es insgesamt 6.638 Einschreibungen. Das ergibt einen Anstieg der Erstsemesterstudenten um 34,18 % innerhalb eines Jahres auf derzeit über 37.000 Studierende. Besonders betroffen ist zum einen der Fachbereich der Physik mit einem prozentualen Anstieg um 102 %, in den Ingenieurwissenschaften ist es ein Anstieg um 63 % und auch in den Geisteswissenschaften gab es einen rapiden Wachstum mit 57 %.
Doch wie lässt sich das Raumproblem am besten lösen?
Am Beispiel des Fachbereichs Germanistik wird deutlich, welche Lösungsoptionen zur Verfügung stehen: PD Dr. Hermann Cölfen, Koordinator der Germanistik, erklärte auf Nachfrage, dass den Raumproblemen in der Germanistik mit Blockseminaren und zusätzlichen Kursen entgegengetreten würde. Allerdings bestünde, laut PD Dr. Cölfen, das einzige freie Zeitfenster, in dem es zu keinen Raumproblemen kommen würde, freitags von 8 bis 20 Uhr. Dieses Angebot würde aber von den Studenten nur sehr selten in Anspruch genommen, sodass dies keine Lösung für das Problem darstellen würde. Die Wahlfreiheit der Studenten spiele da, laut PD Dr. Cölfen, natürlich eine Rolle. Es sei jedoch unrealistisch diese zukünftig einzuschränken, um den Studenten zukünftig Seminare und Vorlesungen zuzuteilen, um so das Raumproblem zu beheben, so PD Dr. Cölfen weiter. Ein zukünftiger Lösungsansatz könne auch sein, auch samstags Seminare anzubieten und auf Zuspruch der Studentinnen und Studenten zu hoffen.
Den ersten großen Schritt zur Verbesserung der Raumsituation hat die UDE bereits getan. Sowohl der Campus Essen, als auch der Campus Duisburg darf sich über ein neues Hörsaalzentrum freuen. In Essen soll dies direkt am Rheinischen Platz mit zwei Hörsälen (1.100 und 150 Sitzmöglichkei-ten) entstehen. Der große Hörsaal im neuen Zentrum in Duisburg soll 850 Sitzplätze umfassen. Geplant sind die Gebäude passend zum doppelten Abiturjahrgang in NRW, bei dem allein in der Germanistik eine Auslastung mit 120 % erwartet wird. PD Dr. Cölfen sieht diese Zahl als sehr optimistisch an.
Aussichten
Auch wenn sich das Raumproblem, laut PD Dr. Hermann Cölfen, vorerst für dieses Semester eingependelt habe, ist dieses Problem nicht gänzlich behoben. Einige Seminare oder Vorlesungen finden nach wie vor in zu kleinen Räumen und mit zu wenigen Sitzmöglichkeiten statt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die neu geplanten Hörsaalzentren in Essen und Duisburg ausreichen, um eine noch schlimmere Situation als dieses Semester im Jahr 2013 zu verhindern, wenn der doppelte Abiturjahrgang in NRW bevorsteht. Denn das wäre unzumutbar, sowohl für Studenten, als auch für Dozenten.
Julia Berlekamp
Weitere Informationen zum Thema:
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