Campusleben

Wieso wir an einer Uni studieren und trotzdem nicht eins sind

[06.12.2011 - Sophia Wehmeyer]


Wer kennt das? A: „Guten Morgen“ B: „Morgen“ A: „Reicht nicht!“
Diese Konversation kann an beiden Campi der Universität Duisburg-Essen (UDE) aktuell mehr als 37.000 Studierende von ihrem Morgenkaffe trennen. Denn der Cafeterien- und Mensenbetrieb der UDE  ist eine Schnittstelle, an der sich die gesamte Studierendenschaft über den Weg läuft. Doch ist das sonst noch irgendwo der Fall, oder umgeben wir uns nicht hauptsächlich mit Studis des gleichen Studiengangs? Welche Faktoren dieses Verhalten beeinflussen und was dagegen unternommen wird, versuchen wir jetzt zu klären.

100 Meter Luftlinie trennen Chemiker und Geiwis und doch sind es Welten

Die Gebäudestruktur ist definitiv ein beeinflussender Faktor. Wir studieren an einer Uni mit zwei getrennten Haupt-Campi. Es ist also unwahrscheinlich, dass ein Kunststudent einem BWL-Student im Universitätsalltag über den Weg läuft. Ihre Fachschaften liegen auf unterschiedlichen Campi.  Außerdem gibt es auf den jeweiligen Campi nochmal fachbereichsgetrennte Bibliotheken. Also suchen Philosophiestudenten und Mathestudenten auch nicht gemeinsam nach Schließfächern.

Doch auch wenn es Fakultäten gibt, die sehr nah beieinanderliegen, ist das noch lange keine Garantie für Treffen außerhalb von Lehrveranstaltungen. Wir haben nachgefragt bei Studierenden der UDE: „Ich kenne gar keinen“ ist die häufigste Antwort auf die Frage, wieso wir so wenig mit Studis anderer Fakultäten unternehmen. Ein angehender Ingenieur erklärt: „Wir haben keine Kurse zusammen, das wäre ja auch nicht sinnvoll.“ Doch daran lässt sich doch sicher arbeiten.

Wunderwaffen der Universität

Von Seiten der Universität gibt es hierzu u.a. den für Bachelor- und einige Masterstudiengänge wichtigen Ergänzungsbereich. Unterteilt in drei Bereiche (E1, E2, E3) sollen Studenten hier über den Tellerrand des eigenen Studienbereichs gucken. Der vom IOS (Institut für Optionale Studien) koordinierte Ergänzungsbereich ist für alle Studenten offen und bildet bei Bachelorstudenten einen festen Bestandteil des Studiums. Die Einrichtung des E-Bereichs ist zumindest ein Lösungsansatz, um eben doch gemeinsame Kurse zu ermöglichen. „Super Sache“, meint eine Geschichtsstudentin.

Sport ist Mord- aber geteiltes Leid ist halbes Leid?

Jeder Studierende unserer Uni hat die Möglichkeit Sportkurse beim Hochschulsport umsonst oder zu einem vergünstigten Preis wahrzunehmen. So halten sich Kommunikationswissenschaftsstudent und Politikwissenschaftsstudentin die Hände beim Rock `n Roll u.v.m.. Ebenso sprengen die übrigen Autonomen Referate (Schwubile, Frauenreferat, Referat für Internationales) die Fakultätsgrenzen.

Treffen sich ein Watersciencestudent und eine Turkistikstudentin auf einer Fachschaftsparty

Unsere Fachschaftsräte haben zur Hauptaufgabe, sich um die Belange ihrer Fachschaften zu kümmern. Dieses System ist zunächst nicht auf die Vernetzung der Studentenschaft ausgelegt Sie findet aber trotzdem statt; ob Fachschaftspartys oder  (Orientierungs-Woche). „Wir schließen grundsätzlich niemanden von unseren allgemeinen Aktionen aus und wenn wir noch freie Kapazitäten haben, fragen wir eben bei anderen Fachschaften nach“, so von Seiten des Fachschaftsrats Nano Engineering. Ganz aktuell vernetzen sich Teile der Fakultäten Geisteswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Ingenieurswissenschaften, um gemeinsam eine Lösung im „KoWi“-Fall zu finden.

Hochschulpolitik = Mischmasch der Fachbereiche?!?

Die Hochschulpolitik ist last but not least ein wichtiger Punkt in Sachen fachübergreifendes Miteinander: Das Ziel der Hochschulpolitik ist es vor allem die Studierendenschaft in ihrem Sinne und ihren Anliegen zu vertreten. Nach welchen Kriterien das bemessen wird, liegt im Auge des Betrachters. Somit kommt es innerhalb der Listen sehr häufig zu einem bunten Potpourri an Studierenden.

Mein Senf dazu
Zusammenfassend bleibt mir folgendes zu sagen: Es gibt von allen Seiten Wege zu einem gemeinsamen Miteinander, man muss sie nur gehen. Denn ein fachübergreifendes Miteinander  ist bei weitem nicht so schwierig zu erreichen, wie man meint. Wir sind letztendlich alle Studenten und die Vergangenheit hat gezeigt, dass im Zweifelsfall alle zusammenhalten (u.a. Bildungsstreik, Studiengebühren u.v.m.) Ein letzter Wegweiser sind die Freundeskreise außerhalb des Universitätsalltags. Es wäre nicht das erste Mal, dass  Designstudent und Medizinstudent doch schon seit Ewigkeiten miteinander Karten spielen.


Für weitere Infos siehe auch:

Infos zur Studierendenanzahl:
http://www.uni-due.de/studierendenstatistik/Statistik/w3studz_alle.htm

Infos zum E-Bereich:
http://www.uni-due.de/ios/

Infos zu den Autonomen Referaten:
http://www.asta-due.de/referate/autonome-referate.html

Infos zum KoWi- Fall (offizielle Stellungnahme von Seiten des Direktors)
http://www.uni-due.de/kowi/

Orientierungswoche WiSe 2011/12
http://www.uni-due.de/erstsemester/orientierungsphasen/fachschaftstermine.shtml

Infos zu den Fachschaftsräten:
http://www.uni-due.de/de/organisation/fachschaften.php