Stellungnahme des AStA zu medialem Auftreten von Prof. Dr. Michael Schreckenberg

Am 13.03.2019 wurde in der Unterhaltungssendung „Mario Barth deckt auf“ über den Privatsender RTL Television, ein Beitrag ausgestrahlt, der die aktuelle Diskussion um Diesel-Fahrverbote behandelte und infrage stellte. Dies betraf vor allem den Zweifel an der gesundheitlichen Relevanz des,
von der EU politisch beschlossenen, Stickoxid-Grenzwertes von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel für die Außenluft sowie grundsätzlich die Diskussion um Feinstaub. Als Gast, genauer als anmoderierter Experte, wurde Prof. Dr. Michael Schreckenberg aus der Fakultät Physik der Universität Duisburg-Essen, eingeladen und umfangreich in den Beitrag einbezogen.


Im Laufe des Beitrags wurden, gemeinsam mit Prof. Schreckenberg, kleine Versuche durchgeführt, in denen Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Werte in Mikrogramm pro Quadratmeter in geringer Distanz, wenige Zentimeter über beispielsweise einer brennenden Kerze oder einer von Mario Barth
angerauchten Zigarre gemessen wurden. Diese Versuche wurden genutzt um die Bedeutung der EUWerte im Straßenverkehr, mithilfe der Expertise von Prof. Schreckenberg, zu kritisieren und herunter zu spielen. Im Internet gab es sehr viele Reaktionen und Beschwerden über die ausgestrahlte Sendung von Barth und die veröffentlichten Online-Videos, insbesondere über den Gastauftritt von Prof. Schreckenberg als Experten. Kurz nach Erscheinen wurde der Originalbeitrag aus dem Internet
entfernt und es ist nur noch ein Zusammenschnitt mit Szenen aus der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ verfügbar ( https://www.youtube.com/watch?v=Efb5ytdZaC8&t=183s Zugriff am 18.04.2019).


Uns als AStA erreichten Beschwerden und Anfragen, vereinzelt auch von anderen Universitäten,
die sich empört über den Gastauftritt zeigten. Das mediale Auftreten von Prof. Dr. Michael Schreckenberg möchten wir daher an dieser Stelle kommentieren und die Probleme eines solchen Auftretens zusammenfassen. Wir kritisieren die Art und Weise des Auftritts und wie hier der Expertenstatus instrumentalisiert wurde, um Mario Barths Kritik Stickoxid-Grenzwerten zu stützen. Die Versuche fanden auf eine schlichtweg unseriöse Weise statt denn die dort gezogenen Vergleiche sind
natürlich nicht möglich bzw. hätten, gerade für einen populärwissenschaftlichen Ansatz, eine umfangreiche Einordnung seitens Schreckenberg oder des Moderators erfordert. So beispielsweise
Prof. Schreckenberg während einer direkten Messung über einer Zigarre: „An sich ist das schon fast ein Todesurteil.“ Daraufhin Mario Barth: „Also wer Zigarre raucht, der kann auch direkt neben Diesel pennen.“ Solche unreflektierten Konservationen und Rückschlüsse gehen voran und folgen vielfach.

Eine Differenzierung kann jedoch nicht allein vom Publikum erwartet werden und somit ist es besorgniserregend, dass hier gezielt der Status des Experten ausgenutzt wurde, um eine unsachliche Argumentation zu betreiben. Diese kann an einzelnen Stellen sogar als Agitation interpretiert werden. In unseren Augen sollten Professor*innen, schon bedingt durch ihre gesellschaftliche Wahrnehmung und dem oftmals einhergehenden Expertenstatus, eine verständliche Kommunikation von Wissenschaftsinhalten, Fakten oder Meinungen abgeben. Gute wissenschaftliche Praxis endet bei uns nicht bei der Wissenschaftskommunikation, sondern sollte sich auch auf diese auswirken. Dies kann selbstverständlich auch Infotainment betreffen. Wissenschaft wurde hier jedoch auf eine Art und Weise beratend hinzugezogen und kommuniziert, die unseriös wirkte und vielen Zuschauer*innen übel aufstieß. Selbst wenn die persönliche Einflussnahme, die Herr Prof. Schreckenberg auf den nach dem Dreh verarbeiteten Inhalt der Sendung hatte, sicherlich stark eingeschränkt war, muss sensibel mit Wissenschaftskommunikation umgegangen werden. Diese Sensibilität erwarten wir von Professor*innen, die grundsätzlich reflektierte Wissenschaftskommunikation betreiben sollten, anstatt ihren Expertenstatus auszunutzen, um unseriöse Vergleiche zu ziehen.

Abgesehen von unserer Kritik am Auftritt und der zweifelhaften wissenschaftlichen Praxis in der Sendung, findet sich darüber hinaus ein besonders kritischer Moment in einer für Barth typischen, diskriminierenden Äußerung: „[…] der Diverse, der hinter mir läuft, der vegane Diverse, könnte sich belästigt fühlen.“, so Mario Barth zu einem bildlich überspitzten Feinstaubszenario. Eine Szene, die so geschnitten ist, dass Herr Prof. Schreckenberg dies abnickt. Es werden also auch Witze auf Kosten einer Gruppe von Menschen gemacht, die hier als Klischee dargestellt werden und Prof. Schreckenberg wird aktiv mit einbezogen.

Presseaffinität und Wissenschaft wurden in unseren Augen von Herrn Prof. Schreckenberg in der Vergangenheit schon in vorbildlichem Maße betrieben, weshalb wir nur hoffen können, dass dies auch künftig der Normalfall sein wird. Die Kommunikation von Wissenschaft sehen wir als AStA als eine wichtige und, in Zeiten von Fake News, immer notwendigere moderne Kompetenz an, sodass jede ernsthafte Bemühung, in den Medien Wissen aus der Forschung zu vermitteln, begrüßt wird. Daher empfinden wir als Vertreter*innen der Studierenden der Universität Duisburg-Essen,
diesen Auftritt als nicht kommentarlos hinnehmbar.

Zum Problem der behandelten Thematik: Der politisch festgelegte Stickoxid Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel für die Außenluft steht natürlich aktuell unter Kritik von vielen Seiten und es ist klar, dass hier konstruktiv von Seite der Wissenschaft und Politik
an einer Erklärung gearbeitet werden muss. Das betrifft zum einen die Nachvollziehbarkeit, also beispielsweise die Datentransparenz, von herangezogenen wissenschaftlichen Arbeiten, zum anderen jedoch auch die Transparenz der Politik. Dieses Problem hat auch die Bundesregierung erkannt und eine Bearbeitung beauftragt. Auch Kritiken von Wissenschaftsseite zum Thema gibt es umfangreich, diese folgt dabei jedoch stichhaltigen Argumenten. Lösungsansätze können nicht in populistischen Fernsehsendungen erarbeitet und Entscheidungen nicht in diesen widerlegt werden. Dies muss Aufgabe von seriös agierenden Expert*innen bleiben.