Pressemitteilung zur Besetzung des „Haus der Begegnung“ am Weberplatz in Essen

Hausbesetzung und Eröffnung eines antirassistischen Zentrums in Essen

Gentrifizierung und der damit einher gehende Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist ein Querschnittsthema, welches nicht ausschließlich – aber auch – Studierende betrifft. Überteuerter und/oder mangelnder Wohnraum sind an anderen Universitätsstandorten bereits seit Jahren an der Tagesordnung und bringen Menschen mit niedrigem Einkommen in eine
sehr problematische Lage. „Anstatt Wohnraum zu sozialverträglichen Preisen zur Verfügung zu stellen, lassen Besitzer*innen diesen leer stehen, um diesen als Spekulationsobjekt am Immobilienmarkt zu nutzen. Hierbei wird keinerlei Rücksicht auf die Menschen oder die Situation vor Ort genommen.“ erklärt Katharina Tölle vom Referat für Hochschulpolitik
und politische Bildung.

An Hochschulen und Universitäten schaffen aktive Studierende vor Ort eine Atmosphäre von Freiheit und Solidarität, indem sie Frei[]räume erschließen, diese finanzieren und letztlich auch eigenständig verwalten. So hat auch der AStA der Universität Duisburg-Essen am Standort in Duisburg bereits vor zwei Jahren einen solchen Raum geschaffen. Für den Standort in Essen ist dies für das kommende Jahr ebenfalls geplant. Herrschafts- und diskriminierungsfreie Räume, in denen sich Menschen ohne Angst vor rassistischen, sexistischen oder andersartigen Übergriffen bewegen können, sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Solche Freiräume sollen nicht nur an Hochschulen und Universitäten
geschaffen werden und vorhanden sein. „Selbstverwaltete Freiräume sollen integraler Bestandteil unserer Städtelandschaft und damit auch unserer Gesellschaft sein.“ ergänzt Christian Sydow, ebenfalls im Referat für Hochschulpolitik und politische Bildung tätig.

Aktionen, die Rassismus und weitere Missstände in unseren Universitätsstädten aufzeigen, sind unterstützenswert und verdienen eine breite Solidarität. „Auch unsere Studierenden berichten immer wieder von rassistischem Verhalten ihnen gegenüber. Wir verurteilen solches Verhalten, und fordern, dass institutionalisierter Rassismus, wie beispielsweise Racial Profiling durch die Polizei, ein sofortiges Ende finden muss.“, so Christian Sydow weiter.
Der Verhandlungswille der Stadt Essen dauerte nicht lange an: Mit der sofortigen polizeilichen Räumung des Zentrums für antirassistische Politik nach nur wenigen Stunden Besetzung und der Kriminalisierung der antirassistisch Aktiven, die über die Dauer der üblichen
erkennungsdienstlichen Maßnahmen hinaus über Nacht in Gewahrsam gehalten wurden, hat die Stadt Essen eine Chance des zivilgesellschaftlichen Austauschs verpasst und sich klar gegen das Konzept eines ehrenamtlich betriebenen, diskriminierungsfreien Ortes gestellt.

Hier nochmal die Pressemitteilung als PDF: